Deutscher Bundestag Kultur und Geschichte

RSS-Dienst des Deutschen Bundestages: Kultur und Geschichte
  1. Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble hat den am Sonntag, 31. Mai 2020, im Alter von 84 Jahren verstorbenen Christo als Ausnahmekünstler gewürdigt. „Seine Kunst schärfte unsere Sinne. Er verbarg mit seinen Verhüllungen oft das Gewöhnliche und machte so das Außergewöhnliche sichtbar. Auch wenn die verfremdende Ästhetik seiner Werke im Vordergrund stand, so war Christo doch ein politischer Künstler, der sich immer wieder auf die Spaltung der Welt in Ost und West bezog und Freiheit einforderte.“ „Das Ende der Bonner Republik versinnbildlicht“ Mit der Verhüllung des Reichstagsgebäudes vor 25 Jahren hätten er und seine bereits 2009 verstorbene Frau Jeanne-Claude sich in die wechselvolle Geschichte des Deutschen Bundestages eingeschrieben. „Ich persönlich denke an meine ursprüngliche Skepsis zurück, diesen geschichtsträchtigen Ort zu einem Kunstwerk zu machen – und an das unvergessliche Vergnügen, das er Millionen damit verschaffte.“ Christos monumentales Werk hat nach Ansicht des Bundestagspräsidenten eine Zäsur markiert und „auf ganz eigene Weise das Ende der Bonner Republik“ versinnbildlicht. „Christo lehrte uns, das historische Parlamentsgebäude mit anderen Augen zu sehen und den Umzug von Bonn nach Berlin mit fröhlicher Leichtigkeit anzugehen. So flüchtig das Kunstwerk war, so fest ist es in unserer Erinnerung verankert. Dafür sind wir Deutsche Christo dankbar“, so Schäuble. „Wir trauern um einen großen Visionär, der Ästhetik, Geschichte und Demokratie verbinden konnte: Schöner und freier kann Kunst nicht wirken.“ Berlins erstes Sommermärchen Als der Bundestag am 25. Februar 1994 über das Projekt der Reichstagsverhüllung abstimmte, war nicht absehbar, ob sich die fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten mit ihrem Antrag (12/6767) durchsetzen würde. Es gab auch entschiedene Gegner des Vorhabens. Die damalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth unterstützte das Projekt. Am Ende setzten sich die Befürworter mit 292 zu 223 Stimmen durch. In der Antragsbegründung hieß es, Berlin könne in den 14 Tagen der Verhüllung vom 24. Juni bis 7. Juli 1995 mit 500.000 Besuchern rechnen. „Tatsächlich waren es fünf Millionen“, berichtete Schäubles Amtsvorgänger Prof. Dr. Norbert Lammert über den Andrang in der Hauptstadt in jenem Sommer. Es habe sich um Berlins erstes „Sommermärchen“ gehandelt. Der 1935 in Bulgarien geborene und zuletzt in New York lebende Christo und seine Frau Jeanne-Claude hatten seit 1971 für ihr Kunstprojekt „Wrapped Reichstag“ („Verhüllter Reichstag“) geworben. (vom/01.06.2020)
  2. Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble hat am Mittwoch, 29. Januar 2020, im Paul-Löbe-Haus des Bundestages die Ausstellung „David Olère. Überlebender des Krematoriums III“ anlässlich des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eröffnet. Grußworte sprachen Dr. Piotr Cywiński, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, und Beate Klarsfeld, Präsidentin der Beate-Klarsfeld-Stiftung. Der russisch-deutsche Pianist Igor Levit trug bei der Ausstellungseröffnung die Choralkantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Johann Sebastian Bach in der Klavierbearbeitung von Ferruccio Busoni (1866-1924) und die „Aria“ aus den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach vor. Für seinen Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus wurde Levit in diesem Jahr mit der „Gabe der Erinnerung“, einer Ehrung des Internationalen Auschwitz Komitees, ausgezeichnet. Schäuble: Die Wahrheit bleibt – und sie bleibt eine Zumutung Bundestagspräsident Schäuble verwies bei der Eröffnung der Ausstellung darauf, dass das detaillierte Wissen über die Vorgänge in den Krematorien in Auschwitz den wenigen Überlebenden, wie etwa David Olère, zu verdanken sei. „Seine nach Kriegsende angefertigten Zeichnungen dokumentieren die alltägliche Erniedrigung, die Bestialität und die Abläufe der Vernichtung“, sagte Schäuble. Seine Werke konfrontierten „fast bis zur Unerträglichkeit“ damit, dass das Geschehene für jeden, der es nicht selbst erfahren musste, unvorstellbar bleibe. Seine Gemälde zeigten Auschwitz in grellen Farben. Jedes Bild sei wie ein Schrei, sagte der Bundestagspräsident. Er verwies auch darauf, dass andere Häftlinge des Sonderkommandos niederschrieben, was sie erlebten. Diese Beschreibungen wie etwa des polnischen Juden Zalmen Gradowski vervollständigen die Ausstellung in der Halle des Paul-Löbe-Hauses. Als habe er den Wunsch nach Verdrängung geahnt, haben die Überlebenden gegen das Vergessen, die Verharmlosung und die Lüge angekämpft, sagte Schäuble. „Die Wahrheit bleibt – und sie bleibt eine Zumutung“, betonte er. Dieser Zumutung müsse sich jede Generation aufs Neue stellen, sagte er auch mit Blick auf Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und von Hass erfüllter Gewalt, wie sie etwa beim Anschlag in Halle zutage getreten waren. Die schwierige Situation der Sonderkommandos Direktor Piotr Cywiński erinnerte daran, dass Olère nach Ende des Krieges als Mittäter angeklagt wurde. Das „Sonderkommando“ war eine Gruppe von Häftlingen, die von der SS gezwungen wurden, die Leichen der in den Gaskammern Ermordeten zu verbrennen. „Die Mitglieder des Sonderkommandos waren in einer der schwierigsten Situationen. Sie haben unüberwindbare Dinge tun müssen“, sagte Cywiński. Sie hätten aber auch Zeugnisse hinterlassen: Es gebe es vier Fotografien, die illegal im Lager gemacht wurden und Olère sei der einzige, der das Erlebte gezeichnet und gemalt habe, betonte der Direktor. Auch Beate Klarsfeld, Präsidentin der Beate-Klarsfeld-Stiftung und Frau des Co-Kurators der Ausstellung und französischen Historikers, Serge Klarsfeld, betonte, dass Olère sofort nach der Befreiung angefangen habe zu zeichnen. „Natürlich gab es Fotos nach dem 27. Januar 1945, doch es bedarf Olère, um das auszudrücken, was zuvor in Birkenau geschehen war – nicht nur im Lager, sondern auch in den Krematorien“, sagte sie. Klarsfeld äußerte zudem den Wunsch, dass auch Abgeordnete aus Reihen der AfD-Fraktion „den Mut aufbringen, sich den Werken Olères in der Ausstellung zu stellen“ und löste damit standing ovations und minutenlangen Applaus aus. Ausstellung bis 21. Februar geöffnet Die Ausstellung des Bundestages in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und dem Zentrum für verfolgte Künste Solingen wird vom Rundfunk Berlin Brandenburg unterstützt. Sie kann von Donnerstag, 30. Januar, bis Freitag, 21. Februar 2020, nach vorheriger Anmeldung montags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr besichtigt werden (Zugang über den Eingang West, Konrad-Adenauer-Straße 1 in Berlin-Mitte). Gezeigt werden Illustrationen von David Olère, einem der wenigen Häftlinge des sogenannten „Sonderkommandos“, die den Krieg überlebten. Der am 19. Januar 1902 in Warschau geborene Olère war der einzige, der seine Erfahrungen in Gemälden und Zeichnungen festhielt. Seine Illustrationen stellen eine der wenigen Bildquellen der damaligen Ereignisse dar. Sie entstanden aus der Sicht eines Mannes, der durch die Hölle von Auschwitz-Birkenau gegangen war und zum unmittelbaren Zeugen eines der bestgehüteten Geheimnisse des nationalsozialistischen Deutschlands wurde: des konkreten Ablaufs des Massenmords. Angehöriger des „Sonderkommandos“ Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war Olère am 20. Februar 1943 von der französischen Polizei verhaftet und im Durchgangslager Drancy nordöstlich von Paris interniert worden. Von dort wurde er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert und mit der Häftlingsnummer 106144 registriert. Während seines gesamten Aufenthalts im Lager gehörte er dem „Sonderkommando“ an, einer Gruppe von Häftlingen, die von der SS gezwungen wurden, die Leichen der in den Gaskammern Ermordeten zu verbrennen. David Olère hatte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau studiert und war 1921 nach Berlin gezogen, wo er als Maler, Bildhauer und Bühnenbildner für die Europäische Film-Allianz arbeitete. In den 1930er-Jahren lebte er in Paris und gehörte der dortigen Kunstszene, der „École de Paris“, an. Olère arbeitete für verschiedene Filmstudios, darunter Paramount Pictures, Fox und Gaumont, für die er Filmkulissen, Kostüme und Werbeplakate entwarf. Verhaftet wurde Olère in seinem eigenen Haus. Seiner Frau Juliette und seinem elfjährigen Sohn Alexandre gelang es, aus Paris zu fliehen und im Versteck zu überleben. Zeichnungen der Jahre 1945 und 1946 Kurz nach Kriegsende fertigte David Olère eine Serie von 70 Zeichnungen an, die einige Jahre später zur Grundlage für seine verstörenden Ölgemälde werden sollte. Die frühesten Zeichnungen, die in den Jahren 1945 und 1946 entstanden, berühren durch ihre für die Lagerkunst typische Strenge und Authentizität. Die minutiöse Aufzeichnung der aufeinander folgenden Phasen der Vernichtung und der Szenen aus dem Leben von KZ-Häftlingen ist von außergewöhnlichem dokumentarischem Wert und stellt angesichts des Mangels zeitgenössischer Fotoaufnahmen einen unschätzbaren Bildfundus dar. Dazu zählen Pläne von Krematorien und Gaskammern und Darstellungen der dramatischen Szenen, die sich in diesen Gebäuden abspielten. In der Zeit zwischen 1960 und 1980 übertrug der Künstler einige dieser Szenen, gefiltert durch seine emotionale Wahrnehmung, in das Medium der Malerei. Diese gigantischen, den Betrachter förmlich anschreienden Bilder sind geprägt von den traumatischen Erfahrungen des Künstlers. David Olère starb am 21. August 1985 in Paris. „Auschwitz und ich“ Vor fünf Jahren, zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, brachte der Norddeutsche Rundfunk auf Initiative der Intendantin Patricia Schlesinger das trimediale Projekt „Auschwitz und ich“ in die ARD ein. Der Rundfunk Berlin Brandenburg setzt das Projekt zum 75. Jahrestag der Befreiung fort und begleitet die Ausstellung mit einer Programminitiative und der Internetseite www.auschwitzundich.ard.de. Organisiert wurde die Ausstellung von Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste Solingen. Kuratorin ist die Kunsthistorikerin Agnieszka Sieradzka vom Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau, unterstützt von Marc Oler, dem Enkel David Olères, und dem französischen Historiker Serge Klarsfeld als Co-Kuratoren. Anmeldung zur Besichtigung Zur Besichtigung anmelden kann man sich unter Angabe des Vor- und Zunamens, des Geburtsdatums sowie des Datums und der Uhrzeit des gewünschten Besuchstermins telefonisch (+49 30 227-38883), per E-Mail (ausstellungen@bundestag.de) oder direkt online: www.bundestag.de/parlamentarische_ausstellung. Zum Einlass muss ein Personaldokument mitgebracht werden. (lbr/vom/29.01.2020)
  3. Das Kunstengagement des Deutschen Bundestages erstreckt sich auf drei Felder: auf die Kunst-am-Bau-Projekte, auf die Artothek und auf den Bereich der Ausstellungen. Kurator Dr. Andreas Kaernbach ist zuständig für die Betreuung der Sammlung angefangen von der konservatorischen Betreuung bis zur Nutzung als Artothek, die den Abgeordneten zur Verfügung steht, und dafür, dass die Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert wird durch Ausstellungen.
  4. Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble hat am Dienstag, 22. Oktober 2019, die Ausstellung „Willy Brandt – Freiheitskämpfer, Friedenskanzler, Brückenbauer“, eine Wanderausstellung der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, in der Halle des Paul-Löbe-Hauses des Bundestages in Berlin eröffnet. Die Ausstellung kann dort von Mittwoch, 23. Oktober, bis Freitag, 8. November, besichtigt werden. „Seine Worte setzten der Nachkriegszeit ein Ende“ Willy Brandt wurde am 21. Oktober 1969, also vor 50 Jahren, zum vierten Kanzler der Bundesrepublik gewählt. Zugleich war er der erste Sozialdemokrat in diesem Amt. „Willy Brandt wollte mehr Demokratie wagen, und seine Worte haben einen festen Platz im politischen Gedächtnis unseres Landes“, sagte Wolfgang Schäuble. „Sie setzten der Nachkriegszeit ein Ende. So ist der Jahrestag ein guter Anlass, seinen ungewöhnlichen Lebensweg mit einer Wanderausstellung zu würdigen.“ Brandt habe seine erste Rede im Bundestag, dem er seit 1949 als Berliner Abgeordneter angehörte, am 10. November 1950 zur „Erhöhung des Notopfers für Berlin“ gehalten. Schon damals habe er sich vehement für die geteilte Stadt eingesetzt. Als Regierender Bürgermeister im Kalten Krieg sei er Hoffnungsträger für viele Menschen in beiden Teilen der Stadt und in der „sowjetisch besetzten Zone“ gewesen. „Junge Menschen fasziniert und politisiert“ Die Wahl 1972 (bei der Schäuble selbst erstmals in den Bundestag einzog) sei für Willy Brandt ein „persönlicher Triumph“ gewesen: „Rückblickend wissen wir: damit war der Höhepunkt seiner Kanzlerschaft erreicht. Entspannungspolitik und KSZE-Prozess waren in Gang gesetzt – irgendwie war seine Mission erfüllt, er selbst erschöpft“, sagte der Bundestagspräsident. Willy Brandt habe gerade auch junge Menschen fasziniert und sie politisiert. Früh habe er sich die Themen der Grünen zu eigen gemacht. Angesichts der „Fridays for Future“-Bewegung sei sein weitsichtiges Eintreten für die Interessen und Belange der Menschen in anderen Teilen der Welt zu würdigen. Schon in den siebziger Jahren sei ihm bewusst gewesen, „wie eng die großen Fragen der Welt miteinander verflochten sind, wie sehr die gesamte Menschheit von der Lösung elementarer Probleme abhängt. Es sind die Fragen unserer Gegenwart“. „Willy Brandt wird immer größer“ Der Vorsitzende des Kuratoriums der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Dr. h. c. Wolfgang Thierse (SPD), der am Tag der Ausstellungseröffnung seinen 76. Geburtstag feierte, nannte die Entspannungspolitik einen der „prägenden Einflüsse“, die ihn selbst dazu gebracht hätten, Sozialdemokrat zu werden. Der Bundestag hatte vor 25 Jahren einstimmig beschlossen, diese Stiftung zu errichten. Die Erinnerung an Willy Brandt sei auch 27 Jahre nach dessen Tod noch sehr lebendig. „In meiner Partei erinnert man sich mit pathetischer Sentimentalität an Willy Brandt. Er wird immer größer“, sagte der langjährige SPD-Abgeordnete und ehemalige Bundestagspräsident. Willy Brandt sei aber auch beschimpft, bekämpft und denunziert worden, seine Biografie habe bittere und strahlende Seiten. Er sei eine bewundernswerte historische Figur. Doch „bevor er zur Jahrhundertfigur werden konnte, bedurfte es vieler Kämpfe“. Von Willy Brandt stamme der Begriff der „Weltinnenpolitik“. Thierse dankte allen, die an dem Ausstellungsprojekt beteiligt waren. Sozialdemokrat, Nazi-Gegner, Weltpolitiker Die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung schreibt zur Ausstellung, viele der Themen Willy Brandts seien noch immer hochaktuell. Willy Brandt (1913-1992) habe sich stets für Freiheit, Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt. Durch Reformen in Staat und Gesellschaft und einem neuen politischen Stil habe er maßgeblich zur Modernisierung der Bundesrepublik beigetragen. Brandt habe Wege zu den östlichen Nachbarn Deutschlands eröffnet, die deutsche Einheit auf lange Sicht möglich gemacht und entscheidend an der Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Gemeinschaft mitgewirkt. Nachhaltige Akzente habe er auch durch sein Eintreten für den Umweltschutz und für globale Solidarität gesetzt. Die Wanderausstellung wird nach dem 8. November 2019 auf Tour durch den gesamten deutschen Sprachraum gehen Die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung Die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung hat die Aufgabe, das Andenken an das Wirken Willy Brandts für Frieden, Freiheit und Einheit des deutschen Volkes, für die Vereinigung Europas und die Verständigung und Versöhnung unter den Völkern sowie für den Nord-Süd-Dialog zu wahren. Sie betreibt darüber hinaus historische Forschung, richtet Konferenzen aus und wirkt an der Auswertung des Willy-Brandt-Archivs im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn mit. Die Stiftung gehört zu den sechs durch den Deutschen Bundestag errichteten überparteilichen Politikergedenkstiftungen des Bundes. Neben der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung sind dies die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, die Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, die Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh, die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Sie erinnern an herausragende historische Persönlichkeiten, die in der deutschen und europäischen Politik des 19. und 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Bundesstiftungen werden aus dem Bundeshaushalt finanziert und unterstehen der Rechtsaufsicht der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Professor Monika Grütters (CDU). Besichtigung nur nach Anmeldung Die Ausstellung kann nach den Zutrittsbedingungen des Deutschen Bundestages im genannten Zeitraum nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Eine Besichtigung ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr möglich (Eingang West des Paul-Löbe-Hauses an der Konrad-Adenauer-Straße 1 in Berlin-Mitte). Anmeldungen sind telefonisch (030/227-38883), per E-Mail: ausstellungen@bundestag.de) oder direkt online (www.bundestag.de/parlamentarische_ausstellung) unter Angabe des Vor- und Zunamens möglich. Zum Einlass muss ein Personaldokument mitgebracht werden. Für Gruppenführungen sind Anmeldungen per E-Mail möglich unter: forum-berlin@willy-brandt.de. (vom/22.10.2019)
  5. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat am Dienstag, 14. Mai, im Schadow-Haus des Bundestages die Ausstellungen „Mauerschatten“ und „Micha Ullman, Johann Gottfried Schadow, Moses Mendelssohn“ mit Werken des israelischen Künstlers Micha Ullman (rechts) eröffnet. „Mauerschatten“ kann im Mauer-Mahnmal des Bundestages bis 6. Juni besichtigt werden. Die zweite Ausstellung im Schadow-Haus ist bis 31. August geöffnet.
  6. „Immer mehr in unserer Welt ist von digitalen Systemen abhängig“, leitete Internet-Spezialist Frank Rieger am Mittwoch, 20. März 2019, die Lesung aus dem Buch „Cyberwar — die Gefahr aus dem Netz. Wer uns bedroht und wie wir uns wehren können“ in der voll besetzten Berliner Bundestagsbibliothek ein. Zusammen mit Co-Autorin Dr. Constanze Kurz vor einem Jahr geschrieben, wolle das Buch einen Diskussionsbeitrag zur Motivation, den Strategien und Werkzeugen von Hackern leisteten. Dazu gehöre auch zu erklären, „wie sich diese Welt verändert hat – vom Hobbybereich zu, im weitesten Sinn, Auftragshackerei“, sagte Kurz, die als Informatikerin bereits Sachverständige in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestages war. „In meinem Amt bin ich für Fragen der Datensicherheit und der Infrastruktur des Bundestages zuständig“, leitete Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) die Lesung ein. Pau ist Vorsitzende der Kommission des Ältestenrates für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und -medien (IuK-Kommission). Sie frage sich aber auch als langjährige Innenpolitikerin, was die Digitalisierung mit der Demokratie mache und ob „die Chancen groß und die Gefahren riesig“ seien, sagte Pau auch mit Blick auf den Datenschutz und Bürgerrechte. Datenschutz in Zeiten umfassender Digitalisierung „Ich glaube in den letzten zwei bis drei Jahren ist deutlich geworden, dass mit der Tatsache, dass wir umgeben sind von digitalen System, auch die Angreifbarkeit gestiegen ist“, sagte Kurz. Spannend sei im Hinblick auf die Reaktionen darauf die Frage, wie diese zusammenpassen mit dem Grundrecht auf Datenschutz und Selbstbestimmung. „Das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit, das im Februar 2008 vom Bundesverfassungsgericht entwickelt wurde, wird in diesem Kontext sehr viel weniger diskutiert, war aber im Hinblick auf IT-Sicherheit enorm weitsichtig“, betonte Kurz. Mit Blick nach Australien gehe es derzeit auch um Fragen, wie weit der Staat und seine Ermittlungsbehörden zu seinen Zwecken über digitale Hintertüren in den privaten Raum von Bürgern eindringen können soll, etwa wenn es um Staatstrojaner oder das Abhören von Innenräumen von Autos gehe. Herausragende digitale Angriffe In Bezug auf die Debatte um den 5G-Ausbau und den chinesischen Hersteller Huawei sagte Rieger: „Alle Hersteller haben Schwachstellen, die ausgenutzt werden können. Die Frage ist, wer zuerst davon erfährt.“ Diejenigen Hersteller, die eine 5G-Infrastruktur liefern können, zu auditieren, sei für ihn „der einzig sinnvolle Weg, um Netze sicher zu bekommen“, lautet sein Plädoyer. Mit Blick auf Spionage und Sabotage würden zudem im Buch einige herausragende digitale Angriffe beschrieben. Eine besondere Rolle spiele dabei die Stuxnet-Cyberattacke der USA und Israel im Jahr 2010, durch die Tausende Uranzentrifugen des Irans irreparabel beschädigt worden seien. „Dieser mit hohem Aufwand geführte Angriff gilt als Startschuss für Cyberwars und hat die Welt verändert, weil mehrere Wellen von Angriffen folgten“, sagte Kurz. Herauszufinden, von wo ein Angriff komme, sei „Kaffeesatzleserei“. Cyberattacken seien nicht isoliert zu betrachten, sondern immer eingebettet in ein größeres strategisches Ziel. Neben Spionage und Sabotage beinhalte dies auch, dass der Informationsraum verändert und die öffentliche Meinung in anderen Ländern manipuliert werde. „Der Begriff Fake News wird dem Wortsinn aber nicht gerecht. Besser wäre der Begriff der Desinformation“, erläuterte Kurz. Mit dieser Tendenz einher gehe auch die Dekonstruktion von gesellschaftlichen Fixpunkten und das Ziel, die Herausbildung eines Konsenses zu verhindern, so Kurz. Weg von einer Angriffslogik Mit Blick auf Entwicklungen wie Doxxing, das internetbasierte Zusammentragen und anschließende Veröffentlichen personenbezogener Daten, plädierten die Internet-Spezialisten und Chaos-Computer-Club-Sprecher für eine defensive, langfristige Strategie: „Dazu gehört auch eine innenpolitische Debatte dazu, wo der Staat Sicherheitslücken kauft und wo Grenzen sind“, sagte Kurz. Diese Strategie müsse zudem die Bildung und die Software-Infrastruktur verbessern sowie internationale Abkommen umfassen. „Aus moralischer und historischer Perspektive sollten wir in Deutschland als Vorbild bei digitalen Angriffen fungieren“, formulierte Rieger und verwies darauf, dass ein „Zurückschlagen“ schwer sei, wenn nicht klar sei, wer überhaupt angreife. Das Zurückgreifen auf eine Abschreckungslogik und der Aufbau von Bedrohungspotenzial funktionierten nicht, da der Gegner auch an anderer Stelle zuschlagen könne. „Wir haben beim Stuxnet-Angriff gesehen, dass sich die Vergeltung der Iraner nicht direkt gegen die USA richtete, sondern gegen Saudi-Arabien als wichtigen Partner. Das ist also ein Kampf in einem Spiegellabyrinth“, sagte er. Die Macht großer Monopole Der Umgang mit privaten Monopolen im Internet berühre schwierige Themen wie etwa die Meinungsfreiheit, so Rieger. Da sich aber nicht nur die Frage der Marktmacht, sondern auch der Manipulationsmacht stelle, plädiere er für ein Zerschlagen in kleinere Einheiten in einem föderierten System. Insbesondere Facebook und Youtube seien Kanäle, bei denen die Manipulationsmacht zu groß sei. Die dort greifenden Mechanismen würden dazu führen, „dass die Plattformen den demokratischen Kern unserer Gesellschaft erodieren und nicht mehr über dieselben Fakten gesprochen wird“, sagte Rieger. Nicht ganz so negativ ordnete Kurz das Thema ein: „Es ist deutlich zu merken, dass sich die Datenschutzdiskussion verändert hat hin zu einer Manipulationsschutzdiskussion und mehr Leute darüber nachdenken“, berichtete sie. Mit wenig Geld könne über die Kanäle zudem ein großer Anteil der Bevölkerung erreicht werden. Problematisch könne dies eher in Ländern werden, in denen Desinformation in physische Gewalt überspringe, warnte Kurz. Spannend wurde die Diskussion noch einmal, als das Thema der aktiven Cyberabwehr als Ultima Ratio auftauchte. „Der Wissenschaftliche Dienst hat ein Gutachten erstellt, aus dem hervorgeht, dass jeder, der das durchführen würde, ob Geheimdienst, Bundeswehr oder Strafverfolgungsbehörden, sich ins Unrecht setzt“, sagte Kurz, die sich auf den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages bezog und betonte, dass sie die Diskussion als „losgelöst von den technischen Fakten und schwierige rechtliche Fragen ignorierend“ empfinde. (lbr/21.03.2019)
  7. Natürlich saß Petra Kelly von den Grünen im Parlament niemals direkt neben Rudolf Virchow (Deutsche Fortschrittspartei) und Hildegard Hamm-Brücher (FDP), doch die Botschaft des Comic-Künstlers Simon Schwartz kommt trotzdem an: Die Zeiten, Orte und Charaktere mögen zwar unterschiedlich gewesen sein, doch ihr Einsatz für Demokratie und Bürgerrechte eint die Parlamentarier der Ausstellung „Das Parlament. 45 Leben für die Demokratie“ des Hamburger Künstlers Schwartz, der 2017 vom Kunstbeirat des Bundestages beauftragt wurde. Vom Parlament der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1848 über den Bonner Bundestag und die Berliner Volkskammer der DDR bis zur Wiedervereinigung 1990 führen die Ausstellung und das gleichnamige Buch durch eineinhalb Jahrhunderte deutsche Parlamentsgeschichte. „Es mangelt nicht an Charakterköpfen“ „Historisch galten Comics immer wieder als Schundliteratur und wurden teilweise von den Parlamenten als Kunstform verboten“, sagte Kuratorin Kristina Volke, die die Ausstellung am Donnerstag, 4. April 2019, im Berliner Reichstagsgebäude eröffnete. Umso mehr freue es sie, dass der Bundestag mit Schwartz einen aufsteigenden Illustrator gefunden habe, der auf wenig Raum viel zu erzählen wisse. „Die Ausstellung ist für mich persönlich von großer Bedeutung, aber sie ist auch ein Ritterschlag für die Kunstform Comic in Deutschland“, begrüßte auch der Autor selbst die Initiative des Kunstbeirats. Auch Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble freute sich, dass das Experiment geglückt sei: „Viele Menschen haben einen abstrakten Blick auf das Parlament. Dabei ist es gar nicht gesichtslos, sondern ein lebendiger Organismus“, sagte Schäuble. Schwartz schaffe es, Fakten über die Parlamentarier mit Denkanstößen zu verbinden. „Die Auswahl zeigt, dass es deutschen Parlamenten nicht an Charakterköpfen mangelt“, sagte der Bundestagspräsident. „Was man sieht, ist eine Zuspitzung“ Aus über 1.000 Abgeordneten verschiedenster deutscher Parlamente mischte Schwartz bekanntere Biografien mit solchen, die in Vergessenheit geraten sind: „Viele Menschen kennen nicht mehr als den Namen eines Abgeordneten. Da setzt er an und nimmt die Brüche für deren politisches Handeln in den Fokus“, erklärte Kuratorin Volke. Alle Porträtierten sind bereits verstorben. Teils habe er sehr stark recherchieren müssen, auch um vermeintlich widersprüchliche Persönlichkeiten zeichnerisch einzufangen, sagte Schwartz. Jedes Blatt zeigt dabei eine andere Idee des Künstlers: Ob Collagetechniken, visuelle Andeutungen, das Zurückgreifen auf vorhandene Fotos oder Gemälde – Farbgebung und Symbolik sind nie zufällig gewählt. „Was man sieht, ist eine Zuspitzung. Die Beschränkung auf eine Seite pro Parlamentarier erzwingt die pointierte Erzählung und Verdichtung“, erklärte Volke. Dabei sind viele Details zu entdecken, denn die Sprechblasen fungieren als Türöffner zu den zugrunde liegenden Erzählungen. Mit der Ausstellungseröffnung war die Buchpremiere der im Avant-Verlag erscheinenden Publikation „Simon Schwartz – 45 Leben für die Demokratie“ verbunden. Leben und Wirken von 45 Parlamentariern Anhand der wechselvollen Biografien erzählen die Comics von den schweren Auseinandersetzungen und Kämpfen, die nicht nur über die deutsche Geschichte, sondern auch persönliche Schicksale entschieden. Darunter befinden sich der Mediziner Rudolf Virchow, die Frauenrechtlerin Marie-Elisabeth Lüders, der Revolutionär Robert Blum, der Postkartenmaler Otto Rühle oder Elisabeth Selbert, eine der Mütter des Grundgesetzes. Besichtigungstermine und Anmeldung Die Ausstellung kann bis Samstag, 31. August 2019, während der Kunst- und Architekturführungen im Reichstagsgebäude (www.bundestag.de/besuche/fuehrung) sowie am 17. und 24. April, am 2. und 22. Mai, am 12. und 19. Juni 2019 jeweils um 14 Uhr nach vorheriger Anmeldung in Sonderführungen besucht werden. Anmelden kann man sich unter Angabe des Vor- und Zunamens sowie des Geburtsdatums per E-Mail bis zum Montag, der dem gewünschten Besuchstermin vorausgeht (E-Mail: kunst-raum@bundestag.de. (vom/05.04.2019)
  8. Der Deutsche Bundestag erweckt nun auch die historischen Debatten der 2. Wahlperiode des Bundestages zu neuem Leben. Nachdem in der Mediathek unter www.bundestag.de/mediathek/1wp seit September 2018 bereits die Original-Tonaufnahmen der 1. Wahlperiode von 1949 bis 1953 zu hören sind, folgen nun die Aufnahmen aus der 2. Wahlperiode von 1953 bis 1957. Das Audio-Archiv soll schrittweise erweitert werden und nach und nach alle im Parlament gehaltenen Reden umfassen. Die Beiträge kann man hören, herunterladen und in eigene Seiten einbetten. Zum Nachlesen der Wortgefechte führt ein Link ins jeweilige Plenarprotokoll. Der 2. Deutsche Bundestag Am 6. September 1953 traten die wahlberechtigten Deutschen den Weg zur Urne an, um den 2. Deutschen Bundestag zu wählen. Mit einem Stimmenzuwachs von 31,0 auf 45,2 Prozent wird die CDU/CSU abermals stärkste Fraktion. Vier weitere Parteien ziehen in das Parlament ein: die SPD mit 28,8 Prozent Stimmenanteil, die FDP mit 9,5 Prozent, der Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) mit 5,9 Prozent sowie die Deutsche Partei (DP) mit 3,3 Prozent. Die FDP-Abgeordnete Dr. Dr. h. c. Marie-Elisabeth-Lüders eröffnete als Alterspräsident die konstituierende Sitzung am 6. Oktober 1953. Das Parlament wählte D. Dr. Hermann Ehlers (CDU/CSU) erneut zu seinem Präsidenten. Ehlers starb am 29. Oktober 1954, am 16. November 1954 wurde der CDU-Abgeordnete Dr. Eugen Gerstenmaier im dritten Wahlgang zu seinem Nachfolger gewählt. Drei Tage später nach der konstituierenden Sitzung bestätigte der Bundestag Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in seinem Amt. Zu Beginn der Wahlperiode zählte der Bundestag 509 Abgeordnete, darunter 249 von der CDU/CSU, 162 von der SPD, 53 von der FDP, 15 von der DP, 27 vom GB/BHE und drei vom Zentrum. CDU/CSU, FDP, GB/BHE und DP bildeten zunächst eine Koalition. 1955 spaltete sich der GB/BHE und schied aus der Koalition aus. In der 2. Wahlperiode tagte der Bundestag 227 Mal, letztmals am 29. August 1957. 507 Gesetze wurden in den vier Jahren verabschiedet. Es gab 38 ständige Ausschüsse. Tonaufzeichnungen des Nordwestdeutschen Rundfunks Die Tonaufzeichnungen der Plenarsitzungen der ersten Wahlperiode waren vom damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) vorgenommen worden. Der NWDR war als erste Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts am 1. Januar 1948 in der britischen Besatzungszone entstanden. Als sich der NWDR in den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und den Norddeutschen Rundfunk (NDR) aufspaltete, übernahm der WDR ab 1956 die Tonaufzeichnungen aus dem Bundestag. Bedenken des Leiters der Wissenschaftlichen Abteilung der Bundestagsverwaltung hinsichtlich der Sicherung und Archivierung der Aufnahmen führten zu einer Vereinbarung mit dem WDR über die Kopierung der Bänder durch das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA). Bestandslücken, unbrauchbare Bänder und fehlender schneller Zugriff führten schließlich dazu, dass der Bundestag seit Beginn der dritten Wahlperiode im Jahr 1957 die Sitzungen selbst mitschnitt. Die Audio-Dateien beinhalten jeweils nur einzelne Reden, nicht komplette Tagesordnungspunkte oder Sitzungen, sodass im Hinblick auf Vollständigkeit das Stenografische Protokoll maßgeblich bleibt. Um die Suche nach einzelnen Reden zu erleichtern, ist das Archiv in der Reihenfolge der Plenarsitzungen, beginnend mit der ersten, und in der Reihenfolge der Tagesordnungspunkte innerhalb einer Sitzung aufgebaut. (klz/sas/vom/15.01.2019)
  9. „Es sind deswegen 19 Künstlerinnen, weil es um das Datum der Wahl geht, bei dem Frauen erstmals ein aktives und passives Wahlrecht hatten: den 19. Januar 1919“, erklärt Kristina Volke, eine der Kuratoren der Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht – 19+1 Künstlerinnen“ im Bundestag. Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble, der die Ausstellung am Donnerstag, 17. Januar 2019, in der Abgeordnetenlobby des Berliner Reichstagsgebäudes eröffnete, sagte: „Mit der Ausstellung will der Bundestag an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren erinnern und den Fokus einmal ausdrücklich auf Künstlerinnen richten.“ Künstlerinnen aus acht Ländern In Anwesenheit der Künstlerinnen aus Deutschland, Israel, der Ukraine, der Schweiz, Afghanistan, der Türkei, den USA und dem Iran betonte er, dass es Frauen nicht nur in der Politik, sondern auch in Literatur und Kunst lange schwer gehabt hätten. „Obwohl doch längst bewiesen ist, dass gute Kunst und Politik keine Fragen des Geschlechts sind“, fügte Schäuble hinzu. „Was uns selbst überrascht hat, war die Bereitschaft der Künstlerinnen, in einem engen Zeitrahmen ein Werk zu schaffen, dass ihren persönlichen Zugang zum Thema ausdrückt“, berichtete Kuratorin Volke. Fotografische Arbeiten Angelehnt an die historische Plakatkampagne in 1918/1919 war den Künstlerinnen nur das Format 80x60 Zentimeter vorgegebenen – in Materialien, Stilen und Botschaften hatten sie freie Hand. Dass neben jüngeren auch weltbekannte Künstlerinnen bereit gewesen seien, ein Werk als „nur eine von 19 Künstlerinnen“ beizusteuern, sei eine besondere Ehre, betonten die Kuratoren. Von Fotografien aus Demonstrationen für Frauenrechte im Jahr 1974 über eine fotografische Arbeit, die mit Negativ-Positiv arbeitet, um die (Nicht)-Repräsentation von Frauen im Parlament sichtbar zu machen, bis zu verschiedensten Selbstporträts bei denen mit dem Thema Macht- und Kraftverhältnisse gespielt wird, wählten viele Künstlerinnen die Mittel der Fotografie. Graphic Novel zum Jubiläum des Frauenwahlrechts Aber auch Schwarz-Weiß-Zeichnungen, Scherenschnitte, Aquarellgemälde, sowie Siebdruck- und Textarbeiten bereichern die Ausstellung um Unikate und werfen Fragen zum Verhältnis von Mensch und Gesellschaft, Stärke und Zerbrechlichkeit und Vergangenheit und Gegenwart auf. Mehrere Künstlerinnen beschäftigten sich auch mit Originaltexten. Und auch zwischen den Kunstwerken fallen immer wieder Parallelen und Querbezüge auf – ohne dass sich die Künstlerinnen abgesprochen haben. Das „+1“ der Ausstellung, die 20. Künstlerin, bildet die Schweizerin Serpentina Hagner, die mit eine „Kurze Entstehungsgeschichte einer Selbstverständlichkeit“ eine Graphic Novel zum Jubiläum des Frauenwahlrechts entwickelt und gezeichnet hat. Im harmlos wirkenden Stil einer Bildergeschichte lässt sie die politische Geschichte der Frauenbewegung von 1849 bis zum aktuellen Regierungskabinett über Rahmenerzählungen in Bildern lebendig werden und bindet auch kontroverse Themen ein. Dass Comics längst das Zeug zur „Neunten Kunst“ haben, macht ihre starke Botschaft deutlich: Frauenrechte und Demokratisierung sind untrennbar verbunden. Sonderführungen für Besucher Interessierte Besucher können die Werke am 23. Januar, 6. und 27. Februar und am 6. und 27. März 2019 jeweils um 14 Uhr nach vorheriger Anmeldung in Sonderführungen besuchen. Dazu kann man sich per E-Mail unter kunst-raum@bundestag.de anmelden. Präsentiert werden Werke von Franca Bartholomäi, Anke Feuchtenberger, Sabine Hornig, Franka Hörnschemeyer, Barbara Klemm, Carina Linge, Nikola Röthemeyer, Cornelia Schleime, Katharine Sieverding, Brigitte Waldach (alle Deutschland), Ulla von Brandenburg (Deutschland/Frankreich), Hilla Ben Ari und Zipora Rafaelov (beide Israel), Yevgenia Belorusets (Ukraine), Valérie Favre und Serpentina Hagner (beide Schweiz), Parastou Forouhar (Iran), Jenny Holzer (USA), Azade Köker (Türkei) und Sara Nabil (Afghanistan). Unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema Der Bundestag gedachte am selben Tag in einer eigenen Feierstunde der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Am 19. Januar 1919 fand mit der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung die erste Wahl statt, bei der Frauen in Deutschland aktives und passives Wahlrecht besaßen. Grundlage für diese Änderung des zuvor Männern vorbehaltenen Rechts war das Reichswahlgesetz vom 30. November 1918, das das seit 1848 in Preußen geltende Dreiklassenwahlrecht ersetzte. Bei der ersten deutschen Wahl kandidierten 310 Frauen, 37 von ihnen erhielten ein Abgeordnetenmandat. Für den Kunstbeirat des Bundestages war der 100. Jahrestag Anlass, die genannten zeitgenössischen Künstlerinnen um ein Statement zum Thema zu bitten. Die Arbeiten zeigen unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema. (lbr/vom/18.01.2019)
  10. Der Deutsche Bundestag erweckt die historischen Debatten der 1. Wahlperiode des Bundestages zu neuem Leben. In der Mediathek sind seit September 2018 die Original-Tonaufnahmen aus den Jahren 1949 bis 1953 zu hören. Das Audio-Archiv soll schrittweise erweitert werden und nach und nach alle im Parlament gehaltenen Reden umfassen. Die Beiträge kann man hören, herunterladen und in eigene Seiten einbetten. Zum Nachlesen der Wortgefechte führt ein Link ins jeweilige Plenarprotokoll.
  11. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eröffnet am Dienstag, 12. Juni, um 17.30 Uhr im Seitenflügel des Schadow-Hauses des Bundestages in Berlin-Mitte die Ausstellung „Lorbeeren für Schadow“. Sie wird von Mittwoch, 13. Juni 2018, bis Sonntag, 28. April 2019, bei freiem Eintritt zu sehen sein. Geöffnet ist sie jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.
  12. Politiker und Bürger stehen vor der Herausforderung, die verheißungsvolle Idee von Europa nicht in Unbeweglichkeit erstarren zu lassen. Der Bildhauer Michael Jastram nimmt sich im mit der Großskulptur „Europa und Stier“ des Themas an: Gegen die zierliche „Europa“, die erwartungsvoll in weite Fernen schaut, setzt er die Gestalt des Stieres, aus tektonischen Platten gefügt, mächtig und schwer beweglich. Bis Pfingstsonntag, 20. Mai 2018, bietet sich Gelegenheit, dem Bildhauer bei der Arbeit unmittelbar zuzuschauen – im „Atelier Europa“ im Seitenflügel des Schadow-Hauses des Bundestages in der Schadowstraße 12-13 in Berlin-Mitte. Anschließend wird die Skulptur ihren Platz vor dem Europa-Saal im Paul-Löbe-Haus des Bundestages finden. Das „Atelier Europa“ kann bis 20. Mai dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden. Weitere Informationen sind unter der Rufnummer 030/227-32027, E-Mail: kunst-raum@bundestag.de oder auf www.kunst-im-bundestag.de erhältlich. (vom/24.04.2018)
  13. Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2018 zeigt der Deutsche Bundestag eine Ausstellung mit Werken des israelischen Künstlers Jehuda Bacon. Die Ausstellung mit dem Titel „Jehuda Bacon. Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden“, die durch Leihgaben aus den Kunstsammlungen der Diözese Würzburg ermöglich wurde, versteht sich als kleine Hommage an einen großen Künstler, dessen Werk wie nur wenige andere Zeugnis von Tod und Vernichtung, aber auch von der Rückkehr ins Leben ablegen. Die Ausstellung ist von Sonnabend, 27. Januar, bis Mittwoch, 28. Februar 2018, in der Abgeordnetenlobby im Reichstagsgebäude in Berlin zu sehen. In Theresienstadt und Auschwitz Jehuda Bacon wurde 1929 in eine orthodoxe jüdische Familie im damals tschechoslowakischen Mährisch-Ostrau geboren. 1942 wurde er mit seinen Eltern und einer Schwester in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und später nach Auschwitz überführt. Bacon überlebte als Einziger von ihnen schwer typhuskrank. Noch im Lazarett begann er, Porträts von Mithäftlingen und die Anlagen der Konzentrationslager zu zeichnen, in denen er drei Jahre zu leben gezwungen war. Die Blätter wurden in den Auschwitzprozessen 1964 als Zeugnisse genutzt. Nach seiner Genesung ging Jehuda Bacon nach Prag und begann dort wenig später ein Kunststudium, das er 1946 in Jerusalem fortsetzte. Später studierte er auch in London und Paris. Ab 1959 arbeite Bacon an der Bezalel Akademie als Professor für Radierung und Lithografie. Zu seinen berühmtesten Schülerinnen gehört Sigalit Landau. Nach 35 Jahren Lehrtätigkeit wurde er 1994 emeritiert. Der Künstler lebt und arbeitet seitdem als freischaffender Künstler in Jerusalem und kann derzeit auf ein Werk von mehr als 7.000 Zeichnungen, Gemälden und Druckgrafiken verweisen. Besichtigt werden kann die Ausstellung im Rahmen von Kunst- und Architekturführungen im Reichstagsgebäude, die sonnabends und sonntags jeweils ab 11.30 Uhr stattfinden. Weitere Informationen sind auf der Webseite www.bundestag.de/besucher erhältlich. Anmeldungen sind auf der Webseite möglich. (vom/29.01.2017)
  14. Mit dem 9. November verbindet sich in Deutschland nicht nur das Gedenken an die Reichspogromnacht vor 79 Jahren, sondern auch an die Ausrufung der ersten deutschen Republik vor 99 Jahren und vor allem an das Jahr 1989, als an diesem Tag die Mauer in Berlin fiel.
  15. Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert hat am Donnerstag, 19. Oktober 2017, die Ausstellung „Innere Angelegenheiten“ mit Fotografien des 1947 in Aachen geborenen und 2004 verstorbenen Fotografen Dirk Reinartz eröffnet. Die Ausstellungseröffung fand in Anwesenheit der Schwester des verstorbenen Künstlers, Helga Klaußen, und dessen beruflichen Weggefährten Wolfgang Runkel statt. Runkel, Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Autor vieler Reportagen, für die Reinartz fotografierte, erzählte aus der gemeinsamen Zeit mit Dirk Reinartz. Die Ausstellung kann vom 20. Oktober bis 25. Februar 2018 jeweils dienstags bis sonntags zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden. „Verschiebung vertrauter Bildwelten“ Die Ausstellung zeigt Serien aus der Zeit vor und nach dem Mauerfall und erinnert damit nicht nur an einen großen Fotografen, sondern auch an eine Zeit, die von radikalen Umbrüchen, großen Hoffnungen und der Verschiebung vertrauter Bildwelten geprägt war. Reinartz hatte seine Karriere als jüngster Reportagefotograf in der Redaktion der Illustrierten „Stern“ begonnen. An der Folkwangschule in Essen ausgebildet, war er von 1977 bis 1982 Teil der Fotografengruppe VISUM. Seine Arbeiten erschienen in allen großen Zeitschriften, darunter in „Life“, der Spiegel, in den Magazinen der Süddeutschen Zeitung und der „Zeit“ oder in der Kunstzeitschrift „Art“. Ein Schwerpunkt seiner fotografischen Arbeit bestand in der Auseinandersetzung mit der politischen und mentalen Situation in Deutschland dies- und jenseits der innerdeutschen Grenze. Dafür arbeitete er mit Redakteuren und Autoren und vermochte es immer, durch seine Bilder eine eigene, vom Text unabhängige Erfahrungseben zu eröffnen. Das Mauer-Mahnmal des Bundestages ist über den Eingang des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses an der Spree am Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte, gegenüber dem Reichstagsgebäude, zu erreichen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (vom/20.10.2017)

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